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12.06.2001 - 30.09.2001
Kunstausstellung mit Werken von Edgar Jené (1904-1984)
Vom 12. Juni – 15. September 2001 im Haus der Unternehmensverbände in Saarbrücken
Im Haus der Unternehmensverbände, Harthweg 15, Saarbrücken, sind ab 12. Juni 2001 bis Ende September Werke des Saarbrücker Künstlers Edgar Jené zu sehen. Die Ausstellung ist Dienstag bis Donnerstag 14.00 – 16.30 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet; der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung umfasst drei Werkgruppen
- Gouachen (Mischtechniken) aus den 60er und 70er Jahren (Erdgeschoss)
- Tuschzeichnungen aus den 50er Jahren (Obergeschoss)
- Radierungen um 1970 entstanden (Obergeschoss)


Edgar Jené, 1904 in Saarbrücken geboren, 1984 auf seinem Alterssitz Demeulaine, einer mittelalterlichen Mühle in La Chapelle St. André (Burgund) gestorben, hat sich zeit seines Lebens zur Geisteshaltung des Surrealismus bekannt, den er Ende der 20er Jahre in Paris entdeckt. "Der Surrealismus war für mich der Katalysator meiner Welt.", sagt er rückblickend.
André Breton, der führende Theoretiker des Surrealismus, Paul Celan, Julien Cracq, Benjamin Péret und Maurice Nadeau, Vertreter der surrealistischen Bewegung gehören zu Jenés geistigen Weggefährten in Wien und Paris. Dokumente seiner Freundschaft mit Paul Celan sind Celans Schrift "Edgar Jené und der Traum vom Traume" (1948) und Jenés Zeichnung zu Celans Gedicht "Todesfuge".
Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München (1922-24), an der Ecole Nationale des Beaux-Arts, Académie Julian und Académie de la Grande Chaumière in Paris (1924-25), lebt Jené mit kriegsbedingten Unterbrechungen in Wien (1945-50), Paris (1950-65) und Burgund.
Im Wien der Nachkriegszeit wird er zum Förderer und Vermittler des Surrealismus, er verfasst Schriften zum Surrealismus, er ist u.a. Bildredakteur der Zeitschrift Plan, Mitherausgeber der Surrealistischen Publikationen, mit Albert Paris Gütersloh wird er zum spiritus rector der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. U.a. mit Paul Celan organisiert er die erste Surrealismus-Ausstellung in Wien.
1948 begegnet er in Paris Breton und den Surrealisten, mit denen er in der Folge in Kontakt bleibt.
Auch seine Verbindung zum Saarland bleibt lebendig. In den 50er Jahren organisiert Jené für die Mission Diplomatique Française en Sarre Ausstellungen im Saarland Museum, u.a. "Peinture surréaliste en Europe". 1964 erhält Jené den Kunstpreis des Saarlandes. 1984 stiftet er der Stadt Saarbrücken einen Teil seiner Werke.

Edgar Jené, Wanderer zwischen den Welten, schöpft seine surreale Welt aus den Quellen der Mythologie, Psychoanalyse, Literatur und ganz wesentlich aus der äußeren Wirklichkeit. Krieg, Mondfahrt, Städte, Landschaften regen ihn zu seinen Bildschöpfungen an.
Die Ausstellung stellt drei Werkgruppen (36 Exponate) vor. Während die Gouachen (Mischtechniken) aus den 60er und 70er Jahren surreale, kosmische Landschaften abbilden, zeigen die Zeichnungen aus den 50er Jahren die weniger bekannte humoristische Facette im Schaffen Edgar Jenés. Die ausgestellten Radierungen, um 1970 entstanden, dokumentieren Jenés Experimentierfreudigkeit.

Auszüge aus: Edgar Jené – ein Surrealist aus dem Saarland
Herausgegeben von Monika Bugs
Albert Weisgerber Stiftung
Museum Sankt Ingbert, 1994

„Jenés Bilder sind still, melancholisch, rätselhaft. Zeiten ziehen durch sie hindurch, untermeerische, kosmische Orte steigen empor. Wesenheiten aus Träumen – Wächtern der Vergangenheit, Künder der Zukunft?- führen uns in eine bisweilen düstere Welt, erhaben über die Zeit und meßbaren Raum wie die geheimnisvolle Welt unseres Unbewußten.“
(Monika Bugs)

„Ganz Surrealist, wendet Jené seinen Blick auf die Ahnen des Surrealismus, die Romantiker, auf das Lebensgefühl der Romantik, die Einsamkeit, Sehnsucht und Tod thematisierte. Stille, verborgene Todesahnung, Melancholie, Trauer ziehen wie Nebelschleier durch Jenés Gesamtwerk,........“
(Monika Bugs)


Edgar Jené (1951) – Über Surrealismus

„Der Surrealismus ............ ist keine neue Lehre der Malerei; ........, ja er wirft die überlieferte Auffassung des Kunstwerks um, er versucht, neue Inspirationsquellen dem Dichter und Maler zu erschließen...........Der Surrealismus ist also keine Kunstrichtung, sondern vielmehr eine Weltanschauung oder besser der Versuch zum Finden einer solchen.“

„Die Surrealisten versuchten also zu einer neuen Vision der Welt, die den Traum, das Unbewußte, das Magische in die Realität einbezieht, zu gelangen. Sie suchen den Begriff Realität zu erweitern, sie erstreben eine Realität, sowohl die innere physische Realität wie die äußere umfaßt, oder mit anderen Worten, das Dilemma Traum und Aktion zu überwinden.“

„Sie ahnen nicht, welcher Reichtum dort in der menschlichen Seele liegt, wo die Klarheit der Vernunft, der Faden der Logik nicht mehr regieren. Die Vernunft zwingt der Realität ihren äußeren Rahmen auf und dieser Rahmen deformiert die Realität..........Die Fantasie, vom Zwang der Logik befreit, gibt den Elementen des Realen eine neue unerwartete Ordnung.“

„Aber wie schon zitiert „solange der Mensch ein von einer Flamme oder einem Stein zu unterscheiden“ vermag, solange läuft der Surrealismus keine ernstliche Gefahr ein Ende zu finden. Die surrealistische Haltung, so behauptet Maurice Nadeau, sei ewig, mag sie auch vorübergehend durch andere Strömungen verdunkelt werden.“

 
     
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